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Presse-Artikel
Gökhan Akyol hatte schon vier Jahre Französisch gelernt und immer gedacht, dass sei die schwerste Sprache. „Aber Deutsch ist noch viel schwerer“, stellt er fest. Für Türken sei Deutschlernen generell schwer, denn Satzbau und Grammatik seien vollkommen anders. Trotzdem hat er es in nur „acht Monaten und fünf Tagen“ zu erstaunlichen Sprachkenntnissen gebracht. Zwar kostet es den 23 Jahre alten Türken noch Mühe, anspruchsvollere Sätze zu formulieren, und er gerät ein wenig in Not, als er gefragt wird, was genau sein Studium umfasst. Dennoch erklärt er verständlich, was Mechatronik ist: „Zu dem Mischfach gehören ein bisschen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik.“ In der Türkei hat er darin bereits einen Abschluss gemacht, möchte nun aber sein Diplom anschließen, da deutsche Abschlüsse in der Türkei sehr anerkannt seien. Auch hätten viele deutsche Firmen Niederlassungen in der Türkei. Dadurch erhofft sich Gökhan bessere Arbeitsmarktchancen, denn später möchte er zurückgehen. Er ist einer von etwa 130 Schülern, die derzeit am Sprachinstitut 2000 Deutsch lernen. Seit zehn Jahren leitet Renate Lorenz das Institut, vor einem. Monat ist es in die Räume des ehemaligen Stegmüllerhauses gezogen (Kirchstraße 1). Zwischen 12 und 15 speziell ausgebildete Lehrer bringen Ausländern aus mehr als dreißig Nationen die deutsche Sprache bei. In vielen Fällen müssen sie angehende Studenten auf die Zulassungsprüfungen für die Uni vorbereiten. „In mindestens 90 Prozent der Fälle schaffen sie die schwere Prüfung auch“, sagt Lorenz. „Auch durch den Einsatz der Lehrer, die schon mal außer der Zeit und kostenlos Nachhilfe geben.“ In Intensivkursen ist es möglich, in neun Monaten soweit Deutsch zu lernen, dass die Schüler ein Gespräch führen können und das, obwohl sie am Anfang meist kein Wort verstehen. So ging es auch Sophie Da Silva. Die achtzehnjährige Französin hat ihr privates Glück hierher verschlagen. In Südfrankreich hatte sie ihren deutschen Freund kennen gelernt und war ihm nach Darmstadt gefolgt. Sie möchte nach ihrer Abschlussprüfung im Mai in Frankfurt oder Heidelberg entweder Medizin oder „etwas mit Sprachen“ studieren, erzählt sie. Die Pariserin, die jetzt in Nieder-Beerbach wohnt, erinnert sich noch gut an den Anfang, als sie sich nicht traute, Deutsch zu sprechen: "Ich fühlte mich hier schon verloren“, sagt sie, "ich habe nichts verstanden“ Heute ist das anders, inzwischen erzählt sie gerne und locker von ihrem Vater, ihrem Reitsport und ihren Zukunftsplänen. Ähnlich ging es Frescilia Octa. Sie kam mit 17 Jahren nach Darmstadt, um hier ihr Abitur zu machen und später Biotechnologie zu studieren. In nur sechs Monaten lernte sie so gut Deutsch, dass sie- sich .fit fürs Studienkolleg fühlt. Die Indonesierin möchte gerne hier bleiben, sagt sie, auch wenn Darmstadt in manchen Dingen nicht mit der 8,5 Millionenstadt Jakarta mithalten kann: „Hier ist alles so klein“, bemerkt sie und lacht, „und alle Geschäfte sind am Sonntag zu“. „Die Sonntage sind zum Deutschlernen da“, scherzt Lorenz, denn in den Kursen werde den Schülern viel abverlangt. Dafür seien die Lehrer und die Atmosphäre sehr gut — sagen die Schüler und nicken dabei zufrieden.
Der Artikel erschien im Darmstädter Echo am 11. April 2006 Copyright: Medienhaus Südhessen GmbH
Sie können sich den kompletten Artikel mit sämtlichen Bildern hier als pdf-Datei downloaden.
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